10. September 2016 - 21. November 2016   |   Eröffnung: 9.09.2016 , 18:00 Uhr | Malerei, Fotografie, Objekte, Installation

Christian Awe, Nina Brauhauser, Daniel Engelberg und Julia Rüther - Abstract Attitudes

Brauhauser, Interlude 2, 2016
Ch, Awe, rippin' good time, 2015
Pressetext

Die Gruppenausstellung „Abstract Attitudes“ präsentiert zwei Künstlerinnen und zwei Künstler, 

die auf unterschiedliche Weise die Traditionen der abstrakten Bildkunst neu auffassen, individuell 

interpretieren und weiterführen. Zur abstrakten Malerei, Bildhauerei und Installationskunst kann 

man die unterschiedlichsten Haltungen, Standpunkte, Einstellungen und Gesinnungen einnehmen, 

um nur einige deutsche Übersetzungen des englischen Begriffs „attitudes“ anzugeben. Die abstrakte 

Malerei musste in Deutschland als Folge der Zwangspause während des nationalsozialistischen 

Regimes nach dem Zweiten Weltkrieg wieder neu erfunden und weiterentwickelt werden. Die 

Vorbilder dazu kamen aus den USA, wohin manche abstrakte Bildkünstler – wie Albers und

Feininger – hatten flüchten können. 

 

In der Malerei von Christian Awe ist als Spur die Wiedergeburt deutscher abstrakter Kunst aus dem 

Geist des abstrakten Expressionismus erkennbar, der sich als eine Spielart des „American Way of Life“ 

erwies. Awes Arbeiten spiegeln seine Vorliebe für das Urbane und Lebendige wider. Sie sind abstrakt, 

an der Grenze zur Figürlichkeit oder zumindest zum Gegenständlichen. Was auf den ersten Blick an 

das Action Painting erinnern mag, welches Jackson Pollock zum abstrakten Expressionismus der 

1950er-Jahre beisteuerte, ist bei genauerem Hinsehen jedoch keine zufällige, spontane Geste, 

sondern in Wahrheit eine überlegte und gesteuerte Komposition. Scheinbar explodierende Farben, 

zerlaufende Farbflecken und Drippings kennzeichnen Awes Gemälde.

 

Die Jahre des Nationalsozialismus erwiesen sich für alle Kunstgattungen in Deutschland als wahre 

Katastrophe – mit zwei Ausnahmen. Im Film und in der Fotografie konnte sich die ästhetische 

Moderne mit Tricks in Deutschland selbst behaupten. In der Fotografie erwies sich die Industrie- 

und Werbefotografie als Residuum neusachlichen und auch abstrakten Denkens. Nina Brauhauser 

arbeitet mit einfachen geometrischen Formen wie dem Dreieck zumeist im Zweidimensionalen, aber 

auch mit Umrissformen im Raum. In ihren zweidimensionalen Fotoarbeiten lässt sie atmosphärisch 

dichte Licht-Form-Gebilde entstehen, indem sie mit Überschneidungen illusionäre Räume erzeugt 

und mittels Körnungen unterschiedlicher Gradationen und Sättigungen den Anschein taktiler Ober-

flächen hervorruft.

 

In der öffentlichen Wahrnehmung der vergangenen Jahrzehnte wurde in Deutschland gerne eine

abstrakte Kunstauffassung mit Nichtgegenständlichkeit oder der Qualität der Gegenstandsbe-

freitheit verbunden. Die raumbezogenen Arbeiten von Daniel Engelberg zeigen, dass sich diese 

Nähe durchaus auch als Trugschluss erweisen kann. Das Material für seine Installationen findet der 

Künstler im Alltag, sei es eine Kabelrolle, ein Paar Flip-Flops oder Bruchstücke von Wandverklei-

dungen, Fassadendämmungen und Kachelböden. Dieses gegenständliche Ausgangsmaterial 

wird zunächst dekontextualisiert, indem es in das Handlungsfeld der Kunstausübung versetzt wird. 

Sodann wird es dort zu Kompositionen neu zusammengesetzt. Der Bildhauer spielt hier zudem 

mit dem korrekten Gegensatz zwischen abstrakt und konkret sowie deren genauer buchstäblicher 

Bedeutung: abstrakt = abgezogen von den bisherigen Kontexten und Bedeutungen; konkret = zu-

sammengewachsen, nämlich zu etwas ganz Neuem. 

 

Die Malerin Julia Rüther, von der die Galerie bereits mehrfach Werke aus anderen 

Schaffensphasen gezeigt hat, nimmt jene Freiheit vom Diktat der Objekte in den Blick, die das 

Wort abstrakt auch bedeuten kann. Die Künstlerin konzentriert sich in ihrer aktuellen Werkreihe 

vor allem auf die Farbe und das Licht selbst. Die Farbe trägt sie in mehreren durchscheinenden 

Schichten auf die Leinwand auf. Die Idee eines klassischen Bildaufbaus bleibt noch gewahrt; 

denn der Betrachter kann Vorder- und Hintergrund klar unterscheiden. Durch den lasierenden 

Farbauftrag lässt die Malerin die Geschichte der Bildentstehung stets sichtbar werden bis hin 

zur persönlichen Gestimmtheit beim Malen, die im Duktus des Farbauftrags aufscheint. Ihre 

Bilder vermitteln den Eindruck von Tiefe, Verdichtung und Konzentration. Julia Rüthers Werke

sind radikal in ihrer Form und zugleich wirken sie als Bekenntnisse zur Aktualität der Malerei selbst.

Text: Rüdiger Heise (Abdruck kostenfrei)

 

Christian Awe, geboren 1978 in Berlin, ausgebildet an der Universität der Künste in Berlin von Georg
Baselitz und Daniel Richter, dessen Meisterschüler er gewesen ist. Kunst- und Lehrtätigkeit im In- und Ausland.

Nina Brauhauser, geboren 1980, Studium der Fotografie an der Royal Academy Den Haag und
der Folkwang-Schule in Essen; lebt und arbeitet in Düsseldorf

Daniel Engelberg, geboren 1979, Studium der Bildhauerei an den Kunstakademien in Nürnberg
bei Claus Bury und München bei Hermann Pitz; lebt und arbeitet in München

Julia Rüther, 1974 in Wuppertal geboren, Studium Malerei in bei Albert Oehlen und Peter Doig
(Meisterschülerin+Assistentin)), Kunstakademie Düsseldorf; Lehrtätigkeit an der Kunstakademie in Dresden.